4
Apr
2007

Der Ab-, der Ab-, der Abmahnwahn

Nach langem Hin und Her und einer prächtig gelungenen Charme-Offensive, hat mir einer, der das Geschäft mit den Abmahnungen mit viel Erfolg betreibt, verraten, wie er dazu gekommen ist. Nachdem er sein Anwaltspatent in der Tasche, das vom Papi gesponserte Büro bezogen, ihm das Hotel Mama zu allem Überfluss den Vertrag gekündigt hatte, war er gezwungen, sich seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Da sass er nun, der arme Tor, mit einem PC, einer leeren Kundenkartei und einer mit Nagelfeile und Lack bewaffneten Sekretärin im Vorzimmer. Mehr rat- als lustlos surfte er durchs Netz. Plötzlich stürmte die Sekretärin in sein Büro, sagt v.G. und verschwand wieder. Er hielt inne, starrte auf die Seite, die er gerade angeklickt hatte. 'Ein Name,' flüsterte er und wiederholte lauter 'ein Name' - und siehe da, ein Name sprang ihm ins Auge. Er markierte und kopierte ihn, rief Google auf, fügte den Namen ein, klickte auf "Suchen" und Google lieferte ihm den Namen hundertfach. Er legte in seinem Browser einen Ordner für den Namen an und speicherte die Seiten, die ihm Google zurückgebracht hatte. Er griff nach dem Telefon, nannte seiner Sekretärin den Namen und bat sie, ihn mit der betreffenden Person zu verbinden.
Nur Minuten später, stellte er dem 'Namen' die entscheidende Frage "Ihr Name wird in den Blogs genannt. Fühlen Sie sich dadurch verletzt?" - "Verletzt?", fragte der 'Name'. - "Sie werden nicht nur mit vollem Namen genannt; ihre Name wird mit dem Attribut ??? versehen." - "Kann ich etwas dagegen tun?" - "Sie können mich beauftragen, die Leute abzumahnen." - "Und was kostet mich das?" - "Einen Vorschuss von 2000 Euro, aber das Geld kriegen wir hundertfach wieder. 60 Prozent für Sie, 40 für mich. Einverstanden?" - "Einverstanden. Wann legen Sie los?" - "Wenn der Vorschuss auf meinem Konto liegt." - "Geht in Ordnung."
Der Anwalt orientierte seine Sekretärin und bat sie, die Adressen der abzumahnenden Blogger herauszusuchen, während er die Abmahnung diktierte, ehe er sich wieder an seinen PC setzte und nach neuen Namen fahndete.
Er arbeitete den ganzen Tag und die halbe Nacht. Als er sich schliesslich zufrieden erhob, hatte er von sechs Namen eine feste Zusage. Er lächelte, der Grundstein zu einer erfolgreichen Anwaltspraxis war gelegt.
Tag für Tag suchen Anwälte nach einer Klientel, die nicht nur Arbeit macht, sondern auch bezahlt. Und das Abmahn-Geschäft ist ein einträgliches nahezu risikoloses Geschäft...
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@skydance
Eine etwas kulantere Haltung hätte ich schon erwartet....
help - 23. Jan, 16:50

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